Dienstag, 31. März 2020

Tote Hose auf dem Straßenstrich


Kein Verkehr. Corona macht’s möglich. Ich war heute auf Fotosafari in Essen. Mit dem Roller bei herrlichem Frühlingswetter. Ich besuchte Orte, die sonst eigentlich recht gut frequentiert sind. Zurzeit „Lost Places“ oder „total tote Hose“. Das Letztere passt besser zum Thema. Fotografieren ist dort im Alltagsbetrieb absolut unerwünscht und macht mächtig Ärger. Zunächst der spezielle Straßenstrich an der Gladbecker Straße (B 224).
Ein Ort der gewerbsmäßigen Unzucht, an dem sittenwidrige Verträge abgeschlossen werden, wie es früher hieß. Heute sind die Abmachungen legal.

Rein, raus geht nicht mehr. Die Einfahrt sowie die Ausfahrt sind amtlich abgesperrt. Da kriegt der Begriff Sperrbezirk eine neue Bedeutung. Normalerweise biegen die Freier von der B 224 kommend in den Einbahnverkehr ab, drehen auf dem Platz eine Runde. Je nach Bedürfnis dauert der Aufenthalt länger. Verrichtungsbox oder Wohnwagen.
Der Platz an dieser Stelle wurde einst als Kirmesplatz angelegt. Aber er war für die Essener zu weit vom Schuss. Als dann der Straßenstrich von der Pferdebahnstraße planverdrängt wurde, Krupp-Thyssen baute in der Nähe seinen Firmensitz, stellte die Stadtverwaltung den Kirmesplatz anderweitig Interessierten zur Verfügung. Seitdem bieten Frauen dort ihre Dienste im Wohnwagen oder der sog. Verrichtungsbox an.
Heute kam ich dort ungestört zum Schuss. Hier meine Ergebnisse:
















Samstag, 14. März 2020

B wie Bombe, Brand, Bekloppte und Besonnenheit

Dass ich die Gladbecker Straße so wie in diesen Tagen erlebt habe, war das letzte Mal während einer Bombentschärfung, Seit ungefähr einer Woche hat sich etwas verändert. Laut ist es bisweilen immer noch, aber es gibt eine größere Anzahl ruhiger Zeitfenster. Für uns Anwohner ist das eine Wohltat, die man kaum beschreiben kann. Das, was Politiker und Verwaltung seit Jahrzehnten nicht schafften, schafft jetzt die Natur in Form eines Virus.

B(224)erichte

Am Donnerstag wurde am späten Abend die Gladecker Straße gesperrt. Eine defekte Koksheizung forderte elf Verletzte. Neben den üblichen Rettungseinsätzen auf dieser tosenden Stadtautobahn war es diese Woche mal wieder der Straßenstrich, der präsent in der Presse auftauchte. Und während viele Menschen den kurzen Weg zum Supermarkt genossen, nutzen andere, wie so oft, den kurzen Weg durchs Fenster, um in eine Wohnung zu gelangen. Warum? Keine Ahnung.



Die Ruhe

Es ist schon auffällig, dass in dieser Woche der laute Verkehr auf der Gladbecker Straße deutlich abgenommen hat. Die ach so oft genannten "Zwangspendler" sind ja nicht weniger geworden. Viele Anwohner sagen es schon seit Jahren: "Es gibt zu viele Langeweile-Pendler", die ohne Not viel zu viel durch die Gegend fahren und das oftmals unbändig rücksichtslos, viel zu schnell, unsinnig hupend, mit laut schallender Musik und Müll aus dem Fenster werfend.

Sei's drum: Auch dieses Wochenende werden wieder rasende LKW unsere Häuser erschüttern. Nichts für ungut, die Erschütterung, die ein Mensch erleben muss, wenn sein Virus-Test positiv ausfällt, mag jetzt groß sein, aber die vielen anderen krankmachenden Zustände in unserer Stadt sollten nicht in Vergessenheit geraten. Vielleicht ist es heute an der Zeit, genau darüber nachzudenken. Ich wünsche uns allen  
💚Gute Besserung💚.




  

Mittwoch, 26. Februar 2020

Sie hassen uns, oder? Neue Enthüllungen an der B 224


Erboste Anwohner der Gladbecker Straße fühlen sich wie eine „lästige Randerscheinung entlang einer Stadtautobahn.“ Ihr Geduldsfaden ist gerissen und sie bringen kein Verständnis mehr auf für „politische und verwaltungstechnische Verschleppungsmanöver“ und „irrsinnige Ansichten zu Grün im Stadtraum“.

Die Anwohnerinnen Esther Soth und Susanne Demmer sind genervt. „Es darf nicht wahr sein, was die Stadt hier mit uns treibt. Was, verdammt nochmal, muss die Stadt denn noch prüfen, um uns die Teilhabe am Fassadenprogramm von Bund und Land zu ermöglichen? Unsere Häuser bleiben stehen und das weiß die Stadt schon ewig.“
Grund für die Empörung ist eine städtische Vorlage, die im März beraten werden soll. „Diese Vorlage ist schlichtweg bürgerfeindlich. Wieso muss sich eine Stadt überhaupt noch fragen, ob eine schöne Fassade ein zielführender Baustein für die Aufwertung einer Straße sein kann?“

Zweiter Stein des Anstoßes sind Aussagen zu mehr Grün im Straßenraum:„Unfassbar, da wird im ersten Absatz vom erfolgreichen Einhalten von Grenzwerten geredet und dann an anderer Stelle die hohe Luftverschmutzung ins Feld geführt. „Was hat sich der Verfasser dabei gedacht?"

Man ignorierte uns kaputt

Während die Stadt in der Vorlage angibt, die Neuanpflanzung von Straßenbäumen sehr zu begrüßen, zeigt ein Blick auf die Wirklichkeit seit Jahren ein anderes Bild: Hier ein toter Baumstumpf, dort ein paar krank und jämmerlich wirkende Bäumchen.
„Die Gladbecker Straße wurde, insbesondere in dem Bereich zwischen Berthold-Beitz-Boulevard und Bäuminghausstraße, von der Stadt seit Ewigkeiten kaputt ignoriert und nun führt man an, dass unter anderem gelagerter Sperrmüll auf zu klein dimensionierten Baumscheiben Schuld sei? Das ist doch albern und zeigt peinlicherweise auch noch das Versagen der Stadt auf."

Wird hier noch Schlimmeres ans Licht der Welt befördert?

Fast nebensächlich wird in der Vorlage von der „Altersstruktur der Versorgungsleitungen“ geredet, obwohl genau dieses Thema sehr schnell ein äußerst brisantes werden könnte. Politik und Verwaltung sei es nahe gelegt, sich schleunigst mit den Ist-Zuständen dieser Straße zu beschäftigen. Anwohner berichten, auch belegt durch alte Unterlagen, immer wieder vom „Pudding unter der Straße“. Sie berichten von Hohlräumen, verbauten Eisenbahnschienen, Hausanschlüssen auf gegenüberliegenden Straßenseiten und täglich bebenden Decken und Wänden. Wer sich einmal den Asphaltzustand an der Kreuzung Bäuminghausstraße anschaut, kann erahnen, wie hoch hier der Sanierungsbedarf ist.

Kein Grün auf dem Mittelstreifen, damit die Luft nicht schlechter wird? Wurde hier getrickst?

Susanne Demmer hegt Zweifel daran, ob bestimmte Aussagen der Verwaltung wissenschaftlich sauber hergeleitet wurden. Obwohl nämlich  längst kein nennenswertes Feinstaubproblem mehr an der Gladbecker Straße existiert, schreibt die Stadt: "Die Ergebnisse zeigen, dass Begrünungsmaßnahmen in diesem Straßenabschnitt nicht geeignet sind, um die Feinstaubkonzentration durch Filterleistung zu reduzieren." Das städtische Fazit, das übrigens anhand einer 15 Jahre alte Modellsimulation gezogen wird, lautet dann: „Somit ist davon auszugehen, dass eine Begrünungsmaßnahme auf dem Mittelstreifen die sonstigen Bemühungen der Stadt Essen, die Stickoxidbelastung an der Gladbecker Straße zu senken und Diesel-Fahrverbote im Stadtgebiet zu verhindern, konterkarieren würde.“ Werden hier uralte Aussagen über Feinstäube heran gezogen und dann wahllos mit aktuellen Stickstoffdioxidwerten vermischt in einen Sack gepackt? Das wäre skandalös. Darüber hinaus ist es entlarvend, dass die Stadt den kühlenden und optischen Aspekt von Pflanzen und Bäumen hier überhaupt nicht anspricht oder die teilweise Entfernung des überdimensionierten Mittelstreifens in Erwägung zieht, um endlich den dringend benötigten Platz für Fußgänger und Radfahrer auf der westlichen Seite zu schaffen.
Bissig legt Susanne Demmer der Stadt ans Herz, ihren Aussagen bitteschön Taten folgen zu lassen und schleunigst andere „Luftkurorte“ dieser Stadt zu untersuchen, um Pflanzen zu entfernen, die die Luft verschlechtern.

Eine Bürgerin klagt an

„Ich kann diesen Mist nicht mehr hören, dass unsere Häuser zu nah an der Bundesstraße stehen. Unsere Häuser sind wesentlich älter als die Bundesstraße. Unsere Vorgärten wurden enteignet und man kippte uns die Bundesstraße vor die Füße. Danach hat es keinen mehr interessiert, was wir hier durchmachen. Das merkt man auch daran, dass einige örtliche Politiker den Unterschied zwischen Feinstaub, Stickstoffdioxid und CO2 überhaupt nicht kennen und immer wieder dümmlich mit falschen Aussagen hausieren gehen.
Ich bin fast vom Stuhl gekippt, als ich jüngst las, dass sich Bezirksvertreter „entsetzt“ über die zu erwartende 20prozentige Risikosteigerung von Herzinfarkten durch zukünftige Verkehre am neu zu bauenden Autobahnkreuz Essen-Nord zeigten. Die finden das besorgniserregend? Wo waren die die ganze Zeit, als wir Schrei um Schrei los gesendet haben? Hat überhaupt nur einer von denen das diesbezüglich aktuelle Gutachten zu Lärm und Schmutz gelesen? Warum wurde das nie in der Bezirksvertretung öffentlich behandelt? Ich habe die Nase voll, dass sich diese Herrschaften immer wieder hinter einem "Riesenhaufen schön beschriebenem Papier“ weg ducken und nicht dafür sorgen, dass das Recht der Bürger auf Schutz vor Lärm und Giften umgesetzt wird. Mir reicht es mit dieser menschenverachtenden Ignoranz und mir bleibt nur eins: Wahlkampf zu machen. Einen persönlichen Wahlkampf gegen jeden Politiker, der uns derart verachtet."

(Autorin: Susanne Demmer, veröffentlichter Artikel im Stadtspiegel am 24.Februar 2020)

Mittwoch, 5. Februar 2020

Polizeischüsse auf dem Straßenstrich – Fortsetzung


Am 9. Januar berichtete ich davon, dass ein Polizist auf ein Fahrzeug schoss, weil der Fahrer flüchtete, als die Streife ihn auf dem „Straßenstrich“ an der Gladbecker Straße kontrollieren wollte. Jetzt ging der 34-Jährige der Polizei ins Netz. Auch am Samstag vergangener Woche (1.2.2020)  sollte der Fahrer eines VW-Golfs in der Innenstadt kontrolliert werden. Auch dieser Kontrolle entzog er sich, ignorierte Anhaltezeichen und fuhr auf ein Werkgelände. Er sprang aus dem Wagen, konnte aber kurz danach festgenommen werden. Er wehrte sich heftig. In dem Auto fanden die Beamten eine fremde EC-Karte aus einem Raub, Drogenutensilien und eine Schusswaffe. Außerdem waren an dem Golf entstempelte Kennzeichen angebracht, die nicht zu dem Auto gehörten. Der Festgenommene hat auch keinen Führerschein und ist polizeibekannt. Ein Richter schickte den Mann in Untersuchungshaft.

B 224 - Du Leidensfähige


Liebe B 224,
was musst Du alles aushalten? Zunächst die meisten Autos, die auf deinem Asphalt 20 Kilometer durch Essen fahren oder schleichen. Oder die höchsten Schadstoffwerte pustet Du durch die Luft und sorgst für Schnappatmung bei den Anwohnern. Bronchial- und wutgesteuert. Veruracher: Kohlenstoffdioxid oder Feinstaub oder andere Schadstoffe. Und jetzt auch das noch. Tempo 30 !!! Auf der Alfredstraße zwischen Folkwangstraße und Bertholdstraße - zwischen Kultur und Krupp. 30 Stundenkilometer - Schneckentempo. Das treibt vielen Lenkern die Zornesröte ins Gesicht. Mancher argumentiert: „So langsam fährt mein Auto gar nicht.“ Obwohl? Im Stoßverkehr geht es auch nicht rasanter. Stop and go. Aber wenn man oder frau kann, möchte man oder frau auch schneller fahren. Und dann gibt es noch anderen Verkehr an deiner Bundesstraße. Nördlich der A 40. Nämlich auf dem ehemaligen Kirmesplatz in Verrichtungsboxen und Wohnwagen. Anderes Thema.
Und jetzt wird eine neue Baustelle diskutiert. Außerhalb des Stadtgebiets sollst Du zur Autobahn werden. Von Gladbeck durch Bottrop bis Essen-Altenessen. In knapp 10 Jahren soll das für rund 30 Millionen Euro passieren. Anschließend geht es voll Pulle oder auch nur halbvolle Pulle hinein ins nördliche Stadtgebiet. Die Folgen: mehr Lärm, mehr Verkehr, mehr Belastung für deine Anrainer.
Liebe B 224, Deine Leidensfähigkeit wird auf eine harte Probe gestellt. 

 

Donnerstag, 9. Januar 2020

Polizeischüsse auf dem Straßenstrich


Wie NRZ, WAZ und Radio Essen berichten, kam es in der Nacht gegen 01.45 Uhr zu einem Schusswaffengebrauch an der Bundesstraße 224. Ein Polizist schoss am Straßenstrich im Nordviertel auf ein flüchtendes Auto. Verletzt wurde allerdings niemand. Die Informationen zu den Hintergründen sind noch recht dünn. Eine schriftliche Mitteilung der Polizei gibt es nicht (Stand: 18.00 Uhr). Zuständig sind die Ermittler der Polizei Bochum. Aus Neutralitätsgründen wie es heißt.

NRZ-Polizeireporter Jörg Maibaum schreibt: „Nach bisherigen Erkenntnissen sei es in der Nacht zum Donnerstag im Rahmen von Kontrollen zu dem Zwischenfall gekommen. Ein Autofahrer gab plötzlich Gas, wohl um sich einer Überprüfung zu entziehen. Auf das Fluchtauto, das sich mit „hoher Geschwindigkeit entfernt hat“, sei dann geschossen worden. Was für die Beamten der Auslöser war, zur Dienstwaffe zu greifen, ist Gegenstand der Ermittlungen.“ Diese Informationen habe der Redakteur von einem Polizeisprecher der Polizei Bochum erhalten. Und weiter: „Am Donnerstagmittag wurde der Straßenstrich an der Bundesstraße 224 zwecks Spurensicherung abgesperrt. Unter anderem suchte die Polizei das Gelände nach Projektilen ab. Die Staatsanwaltschaft ist eingeschaltet.“


Das Gelände an der Gladbecker Straße wurde vor Jahren als Kirmesplatz angelegt, jedoch nie richtig von der Bevölkerung angenommen. Als die Pferdebahnstraße für Prostituierte zum Sperrbezirk erklärt wurde, zogen die Frauen mit Genehmigung der Stadt zum Kirmesplatz um. Hier bieten sie jetzt in so genannten Verrichtungsboxen und Wohnwagen ihre Dienste an. Die Freier fahren im Einbahnverkehr über den Platz und nehmen so den Kontakt zu den Huren auf. (uk)

Freitag, 3. Januar 2020

M.K. und die (fast) vergessene Rotbuche an der B 224

Bis zum Jahr 2002 schmückte eine prächtige Rotbuche die B 224 in Höhe des Folkwang Museums. Zahlreiche Menschen engagierten sich damals für den Bestand dieses Baumes. Sie hinterließen Botschaften, unter anderem diese:  "Der Kampf um Dich war umsonst. Verzeihe mir, daß ich Dich nicht retten konnte. M.K., 26.04.2002"

Die alte Rotbuche an der B 224

Heute steht eine Baumscheibe von jener Rotbuche im Ruhrmuseum, Das Onlineportal DerWesten schrieb dazu: "Auch sie erinnert an Geschichtliches, wie Ulrich Borsdorf erläutert: An ihren Jahresringen kann man, zum Beispiel, ablesen, dass es ihr 1923 besonders gut ging: weil Franzosen und Belgier das Ruhrgebiet besetzt hielten und die Industrie nur mehr auf Sparflamme lief."

Eine demütige Botschaft

Der oder die Schreiber(in) begann den Text mit den Worten "Mein Freund, ich stehe in Demut vor Dir und nehme Abschied." Fast 18 Jahre ist das nun her. Was macht M.K. heute? Und wie würde es das Straßenbild beeinflussen, wenn die Rotbuche heute noch stehen würde?

Ich sende unbekannte Grüße an M.K. und an alle, die der Natur mit Demut begegnen.

Freitag, 20. Dezember 2019

"Blitze" steht


Angekündigt wurde sie schon vor einigen Wochen. Die „Blitze“ auf dem Werdener Berg (B 224). Jetzt steht sie (wieder). Die postalische Anschrift lautet Bredeneyer Str. 183. Wie die Stadtverwaltung jetzt mitteilt, ist die Anlage seit Mittwoch scharf geschaltet und misst die Schnellfahrer in Richtung Werden. Also, bergab.  An dieser Stelle stand bis 2001 schon einmal eine „Blitze“. „Notwendig ist die Reaktivierung, da an dieser Stelle die Geschwindigkeit überdurchschnittlich oft überschritten wird. Ebenso begrüßt die Polizei die Überwachung, da es sich um eine kurvenreiche Gefällestrecke handelt“, berichtet die Stadt.
 

Entwarnung für die Raser, die jetzt schon erwischt wurden. „Die Anlage löst bereits aus, allerdings läuft noch bis Ende des Jahres ein Testbetrieb. Geahndet werden Verstöße erst ab dem 1. Januar 2020“, heißt es in der Presseerklärung.

Mittwoch, 18. Dezember 2019

Die Geschichte der traurigen Laterne - "Es werde Licht ... oder nicht?"

Tote und abgesägte Baumstümpfe sind auf der Gladbecker Straße ein bekanntes Bild. Nun aber gibt es neue Entwicklungen in Sachen "Sägearbeiten" auf der nördlichen B 224. Seit einigen Wochen steht eine "geköpfte" Laterne auf der Gladbecker Straße.
Kopflose Laterne auf der Gladbecker Straße
Wie lange wird uns das trostlose Bild einer einst stolzen Straßenbeleuchtung noch begleiten und wie lange wird der geplagte rostige Fuß das Metallskelett noch tragen?
Rostiger Laternentorso auf viel zu schmalem Gehweg
Und überhaupt, braucht man hier eigentlich Licht? Fragen über Fragen, die man auch an die Stadtverwaltung richten könnte, aber in der "dunklen Zeit" zieht sich der Mensch ja gerne zurück und wartet auf das Licht.

Samstag, 14. Dezember 2019

Luftbelastung - Wird der Süden durch städtische Maßnahmen bevorzugt?


Die Stadt Essen muss etwas tun, um die Luft an der B 224 und anderen Straßen zu verbessern. Sonst droht Dieselfahrverbot. Alleine über die Alfredstraße rollen täglich rund 40.000 Fahrzeuge, schreibt heute die NRZ. Jetzt sollen u. a. folgende Maßnahmen greifen: Tempo 30 km/h in Teilabschnitten, intelligente Ampelschaltungen und sog. Pförtnerampeln, feste Radaranlagen, Reduzierung des Fahrzeugverkehrs.
Die Alfredstraße - ein bisschen nördlicher soll die Luft besser werden
Aber warum beginnen die Maßnahmen südlich der A 40 und nicht in dem ebenfalls hoch belastenden Bereich der Gladbecker Straße? Das wäre doch mal ein Zeichen gewesen, an die Menschen, die noch andere strukturelle Probleme haben, als die besser betuchten im Süden. Ein Schelm der Böses dabei denkt. Eine verärgerte Anwohnerin aus Altenessen schreibt zu recht: „Eine feste Radaranlage, Flüsterasphalt und nun VIER MILLIONEN EURO für eine neue Ampelschaltung. Wo? Auf der B 224. IM ESSENER SÜDEN. Aktuell liegt der Stickstofffdioxidwert auf der Gladbecker Straße bei 53, auf der Vogelheimer Straße bei 42. Selbst wenn hier […] der Grenzwert im Jahresmittel minimal unter die 40er-Grenze rücken würde, bleibt festzustellen: DIE MENSCHEN HIER ATMEN KEINE MITTELWERTE, SONDERN IMMER WIEDER KRANKMACHENDE LUFT. DASS IM ESSENER NORDEN DIE BELASTUNGEN DURCH SCHWERLASTVERKEHR HÖHER SIND ALS IM SÜDEN, SEI NUR AM RANDE ERWÄHNT.“ Und sie setzt noch einen drauf: "Die Schadstoffwerte sind auf der Alfredstraße ebenfalls sehr hoch. Was mich jedoch wütend macht: Im Essener Norden passiert seit Ewigkeiten NIX zur Luftverbesserung. Nicht mal minimalste Versuche, zum Beispiel "Tempo 30 nachts" auf der Gladbecker Straße, hat man gestartet. Im Gegenteil, man schaut weg, lässt Straßenbeläge immer mehr verkommen, baut Geschwindigkeitsmesser ab, nimmt tägliche Rechtsbrüche (zum Beispiel beim LKW-Fahrverbot) hin, pflanzt kaum Grün, etc. Diese pure Ignoranz, oft gepaart mit Arroganz, finde ich widerlich."

Freitag, 6. Dezember 2019

Parkverbot auf der Brückstraße (B 224) im Ortsteil Werden rückt näher


Die Bundesstraße 224 zieht sich rund 20 Kilometer durch das gesamte Stadtgebiet von Essen. Vom Stadtteil Heidhausen bis nach Karnap. Zunächst läuft der Verkehr auf einer Spur bis Werden. Hier wird es in Höhe des „Platzes der Feintuchwerke“ auf etwa 300 Meter zweispurig, bevor am Werdener Markt der Verkehr wieder nur auf nur einem Fahrstreifen rollt bzw. steht. Der Grund sind die parkenden Fahrzeuge am rechten Straßenrand. Der hier beginnende Engpass ist nur etwa 200 Meter lang. Durch rangierende Autos kommt es immer mal wieder zum Stillstand, Fußgänger überqueren an verschiedenen Stellen die Brückstraße. Ein Unfall verstopft den Ortsteil ganz. Etwa 15.000 (!) Fahrzeuge passieren täglich diesen engen Bereich heißt es auf der Homepage vom Landesamt Natur, Umwelt und Verbraucherschutz, kurz LANUV genannt. Allerdings mit Stand 2013. Mittlerweile dürften es noch mehr sein. Dann geht es auf zwei Fahrspuren über die Ruhr bis zur Stadtgrenze Bottrop weiter.
An dieser Stelle knubbelt sich der Verkehr besonders in Spitzenzeiten

Das direkte Umfeld auf dem kurzen Stück der Brückstraße besteht aus mehrgeschossiger Wohnbebauung und vielen Geschäften. Die Inhaber haben natürlich ein großes Interesse daran, dass der Zustand so bleibt wie er ist. Genauso sollen sie das Großprojekt „Tunnel“ in den 1970er-Jahren verhindert haben, wenn man den Chronisten aus dieser Zeit glauben darf. Im letzten Jahr kippte ein Gericht die von der Stadt geplante neue komplizierte und teure Verkehrsführung durch den Ortsteil.
Im Zuge der jetzigen Debatte und den Rechtsstreit zwischen dem Land NRW, der Stadt Essen und der Umwelthilfe über Dieselfahrverbote in 18 Stadtteilen rückt Essen-Werden wieder in den Fokus. Ein drohendes Verbot hat jetzt das Oberverwaltungsgericht Münster gekippt. Allerdings nur, wenn andere Maßnahmen die Grenzwerte der Luftverschmutzung nicht überschreiten. Auf der Brückstraße soll jetzt das Parken verboten werden, heißt es im Maßnahmenkatalog. Bin mal auf die Reaktion der Geschäftsleute gespannt.

Donnerstag, 5. Dezember 2019

Noch keine Dieselfahrverbote in Essen


Susanne Demmer schreibt in diesem Blog mit mir die Geschichten rund die Bundesstraße 224. Sie im Norden, ich im Süden. Den folgenden Text hat sie direkt ins Netz eingestellt und ihren Unmut als Anwohnerin der Gladbecker Straße und direkt Betroffene freien Lauf gelassen. Ja, ich gebe ihr voll und ganz recht. Die B 224 ist die am stärksten frequentierte Straße in Essen. Allein im Norden rollen täglich 40.000 Autos in die Stadt. Die Messwerte werden häufig überschritten. Und die Stadtverwaltung geht mit homöophatischen Mitteln dagegen vor. Jetzt wurde vor dem Oberverwaltungsgericht Münster ein Vergleich geschlossen. Aufschub für die Stadtoberen. Sie dürfen sich noch etwas einfallen lassen. Nicht nur für die B 224. Umweltspur, Änderung der Ampelschaltung? Auch im Süden von Essen schlängelt sich der Verkehr zähflüssig und einspurig durch den Stadtteil Werden. Hier wo die Stadt vor über 1000 Jahren seinen Anfang nahm. Ein bisschen ruhig wird es nur, wenn einmal im Jahr die Gebeine von Liudger über die B 224 getragen werden. Apropos Gebeine. Das erinnert an Krankheit und Tod. Und das könnte bei einigen Betroffenen eintreten, die direkt dem Dreck an der Bundesstraße oder auch der A 40 ausgesetzt sind.


Kein Fahrverbot und sonst auch nichts für den Essener Norden
Von Susanne Demmer

Nein, wahrscheinlich hätte ein Dieselfahrverbot das Leben im Essener Norden nicht viel gesünder gemacht, aber nun werden wir wohl wieder erleben, wie das Nord-Süd-Verkehrsgedanken-Gefälle komplett auf den altbekannten Modus „Ignorieren, Totschweigen und Nichtstun“ gesetzt wird. Das kurze Aufflackern eines „Lichts am dreckigen nördlichen Lufthorizont“ wurde vorerst gestoppt und die bodennahe Entlüftung von Giftstoffen kann weitergehen. Im gesamten Essener Norden.
Während Produktrückrufe von Leberwurst, Milch oder Keksen im Internet wie verrückt geteilt werden, um Menschen vor Gesundheitsschäden zu schützen, bleiben Hilferufe aus dem Norden nahezu ungehört. Es ist davon auszugehen, dass dieses Jahr erneut der 40-er-Grenzwert beim Stickstoffdioxid auf der Gladbecker Straße überschritten wird. An wie vielen anderen Stellen krank machende Luft geatmet wurde, weiß keiner.
Wir sollten aufwachen und erkennen, dass wir Altenessener eigentlich nie vorkamen, als man über bessere Luft in Essen debattierte. Unsere Stadtautobahnen „Altenessener Straße und Gladbecker Straße“ hatte keine Lobby, als man dem ungezügelten, enthemmten motorisierten Individualverkehr etwas entgegen setzen wollte und so werden auch auf lange Sicht hin weiterhin Tag für Tag zehntausende Fahrzeuge unsere Straßen verstopfen und immer mehr Nebenstraßenbewohner werden erleben, dass sich die Situation bei ihnen verschärfen wird. Die Hoffnung, massives Fahrzeugaufkommen aus den Nebenstraßen auszuschließen, wird nicht erfüllt werden können, solange man immer mehr MIV und LKW ungeregelt in die Stadt lässt. Hierzu gehört unter anderem der Transitverkehr, der unsere Stadt nur durchquert, aber keinen Nutzen für uns Bürger hat. Wollen wir das?
Es muss Schluss sein, dass wir Bürger des Essener Nordens wie eine lästige Randerscheinung entlang fanatisch gewollter Stadtautobahnen behandelt werden.
Es ist nebenbei auch völlig absurd, zehntausende Fahrzeuge über den Essener Norden in die Stadt zu führen, die dann in der Innenstadt auf ein Umweltspur-Gebiet prallen. Ein Verkehrsprojekt, das die Trichterwirkung bereits im Programm trägt, ist schlichtweg blödsinnig, weil zu kurz gedacht. Eine „ganz gedachte“ Umweltspur, beginnend an den nördlichen Stadtgrenzen, ist ein weitaus vernünftigerer Ansatz, aber diese Idee wurde in Essen sofort im Keim erstickt.
Und hieß es nicht mal, dass eine aktuelle Belastungskarte für das gesamte Essener Stadtgebiet erstellt werden sollte? Wo sind denn die Zahlen für die Stauderstraße, die Altenessener Straße, die Kleine Hammerstraße, die Hövelstraße, die Karlstraße, etc.? Welche Luft atmen die Bürger dort ein?
Wir müssen ganz genau hinhören, was die Stadt uns als „rosige Zukunft“ verspricht, denn wenn selbst Politiker beispielsweise den lang geplanten „Kreuzungsumbau Gladbecker Straße / Berthold-Beitz-Boulevard“ schon längst als wirkungslos erkannt haben, deutet alles darauf hin, dass neue Lösungen her müssen.
Solange das Recht auf saubere Luft und Lärmschutz im Essener Norden täglich gebrochen wird, müssen wir Bürger laut sein. Der Schutz unserer Gesundheit darf nicht mit Füßen getreten werden und dem Nord-Süd-Gefälle zum Opfer fallen. Wir sollten mit Argusaugen darauf schauen, was uns in Zukunft bevor steht, denn im Moment scheint die verstärkte Ansiedlung von Gewerbe- und Logistikunternehmen in und rund um den Essener Norden eher auf steigendes Verkehrsaufkommen hinzuweisen, als dass sich unser Wohnumfeld so entwickelt, dass unser Lebensraum nicht mehr exklusiv für PKW und LKW verplant wird.
Im Süden der Stadt schenkt man der B224 eine weitaus höhere Aufmerksamkeit als der Gladbecker Straße und zeitgleich befeuert man die Öffentlichkeit mit der irren Annahme, dass durch mehr Straßenbau im Essener Norden, etwas besser werden würde. Ich warne davor, solchen Heilsversprechen zu glauben. Das hat schon an anderen Orten der Welt nicht geklappt.
Lieber Nordbewohner, bitte sei laut. Lass es nicht zu, dass nördlich der A40 deine Bürgerinteressen nicht gehört werden, egal, ob es darum geht, dass künftig in deiner Nähe Klärschlämme und Industrieschlämme verfeuert werden oder du feststellst, dass der ÖPNV und das Radfahren an anderen Orten viel besser funktioniert. Sei laut.

Samstag, 30. November 2019

Ho Ho Ho, Motorshow - Advent, Advent, ein Reifen brennt ...

7.00 Uhr. Quietschende Reifen, ein Knall. Ah, denke ich, Colt Seavers ist da, ich sollte aufstehen. Ich registriere, dass ich mich noch im Halbschlaf befinde und dass es eher unwahrscheinlich ist, dass der berühmte Fernseh-Stuntman der 80er Jahre am 1. Adventswochenende in Essen aufkreuzt.

Schlaftrunken gehe ich zum Fenster und sehe, wie ein David Hasselhoff-Doppelgänger aus seinem Auto steigt. Ein Aufkleber auf der Heckscheibe „Diebstahl lohnt sich nicht, Tank wird täglich geleert“ erinnert mich daran, was hier los ist: Es ist Motorshow und die Chrom-Apostel pilgern in Massen durch die autofreundliche Stadt, inklusive Motorshow-Stau-Corso bei der Anreise.

Brigitte Nielsen bei der Motorshow 2010

11.00 Uhr: Ein giftgrüner Taunus kurvt zum fünften Mal auf die Kreuzung zu. Diesmal schafft er eine nahezu perfekt Wendung mit einem lautstarken Handbremsmanöver. Seine drei Beifahrer applaudieren und grölen und jauchzen vor Entzückung. Ja, zur Motorshow „reist“ man nicht an, man „rast“ an, wenn man kann. Hier ist bereits vor der Show Show angesagt. Man tritt aufs Gaspedal und zeigt dem Flüsterasphalt seine Grenzen. Wofür hat man schließlich die 80 Dezibel-Auspuffanlage? Es wird gehupt, es wird gelacht und gesungen. Um mich herum nur fröhliche Menschen. „Ich will Spaß, ich geb‘ Gas…“.

Die musikalische Beschallung, die dann aus einem Golf durch mein geschlossenes Fenster quillt, lässt erahnen: Diese Tontechnik steht einer Großraumdisco-Anlage in nichts nach. Die „Bad Boys Blue“ schmettern „You're A Woman, I’m a Man…”. Läuft.

Ich öffne das Fenster und rieche diese Testosteron geschwängerte Luft, die gepaart mit Stickstoffdioxid die Weihnachtsbäckereidüfte übertüncht. Ich denke an Henry Ford, der sagte: „Ein vernünftiges Auto soll seinen Besitzer überallhin transportieren, außer auf den Jahrmarkt der Eitelkeiten.“
Die Motorshow in Essen - Wie wird sie wohl in 10 Jahren aussehen?