Donnerstag, 5. Dezember 2019

Noch keine Dieselfahrverbote in Essen


Susanne Demmer schreibt in diesem Blog mit mir die Geschichten rund die Bundesstraße 224. Sie im Norden, ich im Süden. Den folgenden Text hat sie direkt ins Netz eingestellt und ihren Unmut als Anwohnerin der Gladbecker Straße und direkt Betroffene freien Lauf gelassen. Ja, ich gebe ihr voll und ganz recht. Die B 224 ist die am stärksten frequentierte Straße in Essen. Allein im Norden rollen täglich 40.000 Autos in die Stadt. Die Messwerte werden häufig überschritten. Und die Stadtverwaltung geht mit homöophatischen Mitteln dagegen vor. Jetzt wurde vor dem Oberverwaltungsgericht Münster ein Vergleich geschlossen. Aufschub für die Stadtoberen. Sie dürfen sich noch etwas einfallen lassen. Nicht nur für die B 224. Umweltspur, Änderung der Ampelschaltung? Auch im Süden von Essen schlängelt sich der Verkehr zähflüssig und einspurig durch den Stadtteil Werden. Hier wo die Stadt vor über 1000 Jahren seinen Anfang nahm. Ein bisschen ruhig wird es nur, wenn einmal im Jahr die Gebeine von Liudger über die B 224 getragen werden. Apropos Gebeine. Das erinnert an Krankheit und Tod. Und das könnte bei einigen Betroffenen eintreten, die direkt dem Dreck an der Bundesstraße oder auch der A 40 ausgesetzt sind.


Kein Fahrverbot und sonst auch nichts für den Essener Norden
Von Susanne Demmer

Nein, wahrscheinlich hätte ein Dieselfahrverbot das Leben im Essener Norden nicht viel gesünder gemacht, aber nun werden wir wohl wieder erleben, wie das Nord-Süd-Verkehrsgedanken-Gefälle komplett auf den altbekannten Modus „Ignorieren, Totschweigen und Nichtstun“ gesetzt wird. Das kurze Aufflackern eines „Lichts am dreckigen nördlichen Lufthorizont“ wurde vorerst gestoppt und die bodennahe Entlüftung von Giftstoffen kann weitergehen. Im gesamten Essener Norden.
Während Produktrückrufe von Leberwurst, Milch oder Keksen im Internet wie verrückt geteilt werden, um Menschen vor Gesundheitsschäden zu schützen, bleiben Hilferufe aus dem Norden nahezu ungehört. Es ist davon auszugehen, dass dieses Jahr erneut der 40-er-Grenzwert beim Stickstoffdioxid auf der Gladbecker Straße überschritten wird. An wie vielen anderen Stellen krank machende Luft geatmet wurde, weiß keiner.
Wir sollten aufwachen und erkennen, dass wir Altenessener eigentlich nie vorkamen, als man über bessere Luft in Essen debattierte. Unsere Stadtautobahnen „Altenessener Straße und Gladbecker Straße“ hatte keine Lobby, als man dem ungezügelten, enthemmten motorisierten Individualverkehr etwas entgegen setzen wollte und so werden auch auf lange Sicht hin weiterhin Tag für Tag zehntausende Fahrzeuge unsere Straßen verstopfen und immer mehr Nebenstraßenbewohner werden erleben, dass sich die Situation bei ihnen verschärfen wird. Die Hoffnung, massives Fahrzeugaufkommen aus den Nebenstraßen auszuschließen, wird nicht erfüllt werden können, solange man immer mehr MIV und LKW ungeregelt in die Stadt lässt. Hierzu gehört unter anderem der Transitverkehr, der unsere Stadt nur durchquert, aber keinen Nutzen für uns Bürger hat. Wollen wir das?
Es muss Schluss sein, dass wir Bürger des Essener Nordens wie eine lästige Randerscheinung entlang fanatisch gewollter Stadtautobahnen behandelt werden.
Es ist nebenbei auch völlig absurd, zehntausende Fahrzeuge über den Essener Norden in die Stadt zu führen, die dann in der Innenstadt auf ein Umweltspur-Gebiet prallen. Ein Verkehrsprojekt, das die Trichterwirkung bereits im Programm trägt, ist schlichtweg blödsinnig, weil zu kurz gedacht. Eine „ganz gedachte“ Umweltspur, beginnend an den nördlichen Stadtgrenzen, ist ein weitaus vernünftigerer Ansatz, aber diese Idee wurde in Essen sofort im Keim erstickt.
Und hieß es nicht mal, dass eine aktuelle Belastungskarte für das gesamte Essener Stadtgebiet erstellt werden sollte? Wo sind denn die Zahlen für die Stauderstraße, die Altenessener Straße, die Kleine Hammerstraße, die Hövelstraße, die Karlstraße, etc.? Welche Luft atmen die Bürger dort ein?
Wir müssen ganz genau hinhören, was die Stadt uns als „rosige Zukunft“ verspricht, denn wenn selbst Politiker beispielsweise den lang geplanten „Kreuzungsumbau Gladbecker Straße / Berthold-Beitz-Boulevard“ schon längst als wirkungslos erkannt haben, deutet alles darauf hin, dass neue Lösungen her müssen.
Solange das Recht auf saubere Luft und Lärmschutz im Essener Norden täglich gebrochen wird, müssen wir Bürger laut sein. Der Schutz unserer Gesundheit darf nicht mit Füßen getreten werden und dem Nord-Süd-Gefälle zum Opfer fallen. Wir sollten mit Argusaugen darauf schauen, was uns in Zukunft bevor steht, denn im Moment scheint die verstärkte Ansiedlung von Gewerbe- und Logistikunternehmen in und rund um den Essener Norden eher auf steigendes Verkehrsaufkommen hinzuweisen, als dass sich unser Wohnumfeld so entwickelt, dass unser Lebensraum nicht mehr exklusiv für PKW und LKW verplant wird.
Im Süden der Stadt schenkt man der B224 eine weitaus höhere Aufmerksamkeit als der Gladbecker Straße und zeitgleich befeuert man die Öffentlichkeit mit der irren Annahme, dass durch mehr Straßenbau im Essener Norden, etwas besser werden würde. Ich warne davor, solchen Heilsversprechen zu glauben. Das hat schon an anderen Orten der Welt nicht geklappt.
Lieber Nordbewohner, bitte sei laut. Lass es nicht zu, dass nördlich der A40 deine Bürgerinteressen nicht gehört werden, egal, ob es darum geht, dass künftig in deiner Nähe Klärschlämme und Industrieschlämme verfeuert werden oder du feststellst, dass der ÖPNV und das Radfahren an anderen Orten viel besser funktioniert. Sei laut.

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