Montag, 29. Juni 2020

It’s Showtime auf der Gladbecker

Wenn’s nicht so traurig wäre. Alle paar Wochen kommt die Mitteilstreifenreinugung der Essener Entsorgungsbetriebe(EBE)zur B224. Einsatz in Altenessen. Spannend wie ein lahmer Kimi. Eine Anwohnerin ("Das Fenster zur Straße") hält uns bei dieser Aktion bildlich immer auf dem Laufenden ("Sie sind wieder da und machen diese Sachen-WARUM").

Zunächst muss der linke Fahrstreifen auf der meist genutzten Straße des Stadtgebiets zeitweise gesperrt werden. Und dann legen die Arbeiter los. Der Grünwuchs wird zurückgeschnitten. Das Problem. Da wächst gar nix, wie die beigefügten Fotos eindrucksvoll beweisen.

vorher

nachher

Bislang hat sich nur die Lokalpresse ein einziges Mal des Themas angenommen. Ich denke, diese Posse hat mehr verdient. Wie wäre es mit: Extra 3 (realer Irrsin) oder Heute-Show (Nachrichtensatire). Heute war wieder Showtime in Altenessen.

Fotos: Susanne Demmer


Sonntag, 7. Juni 2020

Geheimnisse der Gladbecker Straße

Bist du schon einmal über die Gladbecker Straße gefahren? Was hast du dabei gedacht, als du nach links und rechts schautest und wahrscheinlich erschrocken festgestellt hast, dass dort vermutlich Menschen hausen könnten? Was müssten das für Kreaturen sein, die dort vor sich hin vegetieren? Neueste Forschungen bringen jetzt erste Aufklärung:

Im Reich der Wilden

Nun ist es bewiesen: Es gibt menschenähnliche Wesen, die an der Gladbecker Straße siedeln. Bitte sei gewarnt: Ausnahmslos jeder dieser Bewohner der dir gehörenden Stadtautobahn ist hochgradig asozial, verkommen und verwildert. Nicht ohne Grund nennt man das bildungsferne Völkchen in Fachkreisen bereits die „Wilden von der nördlichen B224“. Seit Generationen lebten sie dort unentdeckt in Armut, verständigen sich noch heute mit Schnalzlauten und kein Außenstehender hat sich bis dato ohne Begleitschutz in ihr Habitat gewagt. Lediglich eine uralte Sage berichtet über einen mutigen Mann, der dort alleine entlang spaziert sein soll und nie wieder heimkehrte. Man munkelt, dass man ihn in einer Juninacht aufgefressen hat.

Anbei die ersten Tonaufnahmen eines bisher unbekannten Kulturkreises:


Sitten, Bräuche und Rituale
Die Forschungen, die aus Sicherheitsgründen größtenteils via Google Earth durchgeführt wurden, haben Erkenntnisse zutage gefördert, die jeden zivilisierten Menschen erschaudern lassen. Der „Stamm der Altenessener Halbmenschen“ lebt unterhalb der Häuser und vergöttert Dreck, mit dem er sich bei täglichen Festen Symbole auf den nackten Leib malt. Die durch und durch faulen und arbeitsscheuen Geschöpfe kriechen bei Sonnenaufgang rülpsend aus den Gullys, laufen auf allen Vieren zur nächsten Trinkhalle und rauben dort sämtliche hochprozentigen Spirituosen, die sie dann in ihren meist zahnlosen Mäulern zurück in die Kanalisation transportieren.
In der letzten Nacht haben Forscher eine spezielle Bergbau-Drohne in die Unterwelt des Essener Nordens geschickt. Ob diese Bilder jedoch jemals der Öffentlichkeit präsentiert werden, ist noch ungewiss. Aus dem Essener Rathaus ist zu hören, dass Teile der Wahrheit die Bevölkerung verunsichern könnten.


Dringende Warnung

Wenn du demnächst wieder einmal über die Gladbecker Straße fährst, bitte fahr weiterhin sehr, sehr schnell. Denk immer daran: Es geht um deine Unversehrtheit. Schau niemals auf die Geschwindigkeitstafeln, hupe bei jeder Gelegenheit, dreh deine Musikanlage voll auf, wirf brennende Kippen oder Plastikbecher auf die Straße – all das kann dein Leben retten. Vergiss nie: Aus jedem Gully könnte ein stinkender Pott-Kannibale steigen, der nur darauf wartet, dich zu zerstückeln. Und ganz wichtig: Bitte unterlasse es, deine Popel auf die Straße zu schnippen. Es ist die Lieblingsspeise dieses barbarischen Volkes. Jeder Popel konterkariert das Aushungern dieser Spezies.

Die Gladbecker Straße - Gefährliches Pflaster für PKW, LKW & Co.?


Ja, es ist zutiefst ungerecht, was man dir auf deiner Straße zumutet und dass du in ständiger Bedrohung leben musst, dass einer dieser verrohten Zeitgenossen plötzlich deine freie Fahrt gefährdet. Bitte bleib zuversichtlich.
Je schneller du durch dieses, von Elend flankierte, Gebiet rast und je disziplinierter du dich an die Tipps hältst, desto schneller bist du auf der guten Seite der B224. Dort kannst du dich wieder friedlich benehmen, mit Freude die StVO achten und gemeinsam mit deinen zivilisierten Gleichgesinnten verbale, hämische Gülle über die „Wilden an der B224“ kippen. Das wird dir helfen, deine Last zu tragen und das Elend zu verdrängen.

Dienstag, 28. April 2020

Altenessen neu denken

Wenn man an der Gladbecker Straße lebt, bekommt man einiges mit, wenn es um die Essener Verkehrspolitik geht. Man schaut, man lernt, man leidet und vernetzt sich mit anderen "Kennern der Materie". Die ein oder andere Erkenntnis habe ich im ersten Teil einer geplanten Serie zusammen gefasst und freue mich über jeden Leser, der nach dem Klick auf Altenessen neu denken meinem Plädoyer fürs "Maulaufmachen" und "Neue Wege gehen" seine Aufmerksamkeit schenkt.

 

Samstag, 25. April 2020

Tag des Baumes

Heute ist der „Tag des Baumes“. Ihn gibt es nicht erst seit dem Baumsterben im Rahmen der Klimaveränderung, sondern bereits seit 68 Jahren (!). Am 25. April 1952 pflanzten der Bundespräsident Theodor Heuss und der Präsident der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, Bundesminister Robert Lehr in der Bundeshauptstadt Bonn im Hofgarten einen Ahorn. Der „Tag des Baumes“ war geboren. Über den Baum gibt es seit Urzeiten Gedichte, Lieder, Geschichten. Bei der früh gestorbenen Alexandra (27) fällt uns sofort ihr Lied ein: „Mein Freund der Baum ist tot, er fiel im frühen Morgenrot.“
An manchen Orten im Stadtgebiet gibt es eine Menge davon. Immerhin war Essen 2017 die Grüne Hauptstadt Europas. Wälder, Kleingärten, Friedhöfe und Parks machen über 50 Prozent der Fläche des Stadtgebietes aus. Allein der Grugapark – einer der größten innerstädtischen Parkanlagen Europas – weist 70 Hektar auf. Die Hauptstraßen sind eher dürftig begrünt. In Bredeney auf der Alfredstraße (B 224) kann man auf der langgestreckten, schmalen Mittelinsel einige kleine Exemplare bestaunen. Je weiter man in den Norden fährt, umso kahler wird es. Schlechtes Beispiel ist die Gladbecker Straße (B 224) stadtauswärts ab dem Berthold-Beitz-Boulevard. Da gibt es einen schmalen Mittelstreifen. Und das Fisselchen Grün, das sich mühsam durch die Klinkersteine nach oben gräbt, wird dann aufwendig von städtischen Auftragsunternehmen weggemäht oder –gesaugt.
Was vom Baume übrigblieb
Die Anwohnerin Susanne Demmer berichtet laufend von diesen unsinnigen Arbeiten. Ein Beispiel von der Baumbepflanzung hat sie heute erneut mit folgendem Kommentar ins Netzt gestellt: „Der Sekt ist kalt gestellt. Altenessen feiert den internationalen #TagdesBaumes wie jedes Jahr an der B 224. Lets sing: "I'm turnin' my head up and down. I'm turnin', turnin', turnin', turnin', turnin' around and all that I can see is just a killed old city-tree.” Humor ist, wenn man trotzdem lacht.

Mittwoch, 8. April 2020

Sonnenuntergang


Heute war der wärmste Tag in Essen in diesem Jahr. Fast schon sommerliche Temperaturen. Bis zu 26 Grad zeigte das Thermometer an. Entsprechend schön war der Sonnenuntergang. Hier an der B 224 am Rande der Innenstadt.




Die Hüter des Todesstreifens


Wer die B 224 im Essener Norden kennt, weiß um die Situation. Wer dort wohnt noch besser. Es herrscht rund um die Uhr Verkehr. Die Anrainer kommen eigentlich nie zur Ruhe. In Spitzenzeiten heißt es für den Fahrzeugverkehr „Stop and Go“, in den anderen Zeiten mutiert dieses Teilstück zur Rennstrecke für Testosteron gesteuerte Autofahrer, oft mit Baseballkappe und dicken, aufgemotzten Karren. Die Luftreinheit wird ständig kontrolliert und übersteigt ab und zu die erlaubten Werte, die Geschwindigkeit wird nie kontrolliert, so der Voruwrf der Anwohnerin Susanne Demmer. Das war wohl jetzt der Anlass von ihr eine volle, drastische, verbale Breitseite in Richtung der Ortspolitik loszulassen.
Um dieses Teilstück der Gladbecker Straße geht es - hinten links die Messstation
Sie schreibt in ihrem Wutpost:Sie sitzen in der Bezirksvertretung V oder für Altenessen im Rat und wissen seit Jahren, dass auf der Gladbecker Straße zwischen Berthold-Beitz-Boulevard und Bäuminghausstraße ein rechtsfreier Raum in puncto Geschwindigkeitsbegrenzung existiert. Sie sitzen unter der Leitung des Bürgermeisters Hans-Wilhelm Zwiehoff in einem Gremium, das sich durch Nichtstun schuldig macht und Krankheiten, Verletzungen und sogar möglichen Tod in Kauf nimmt. Anstatt längst einen festen Blitzer beantragt zu haben, schauen sie seelenruhig zu, wie Leib und Leben von Menschen täglich in Gefahr gebracht wird. Sie sind die Hüter des Todesstreifens auf der Gladbecker Straße […].“
Harter Tobak. Dieser Post hat natürlich zu einer emotionalen Reaktion geradezu geschrien. Aber das war vielleicht der Zweck. 
Ein Mitglied der Bezirksvertertung  kommentiert: "[…], da hätte ich mir von Ihnen mehr Fingerspitzengefühl von Ihnen gewünscht. Das ist eine Beleidigung aller, durch die Wahl der Bürger gewählten Volksvertreter, die dadurch ein Mandat bekommen haben. Sie als ehemaliges Mitglied der Rüttenscheider Bezeirksvertretung sollten wissen wie schwer manche Beschlüsse durchzusetzen sind. Ferner üben die Mitglieder der Bezirksvertretungen ihr Mandat ehrenamtlich (Anmerkung: Die Mitglieder erhalten als Aufwandsentschädigung eine monatliche Pauschale) zu ihrer beruflichen Tätigkeit aus. Es ist schon mehr als merkwürdig, dass Sie sich in letzter Zeit immer wieder negativ gegen alle politischen Vertreter in Essen aussprechen.“
Leider ist er inhaltlich genauso wenig auf den Vorwurf eingegangen wie zwei weitere politische Mandatsträger. Aus der Bewohnerschaft bekommt Susanne Demmer dagegen Rückenwind. „Unser Recht auf körperliche Unversehrtheit wird hier seit 35 Jahren mit Füßen getreten“, sagt Anwohner Schmidt und eine weitere Kommentatorin berichtet über die Folgen von Schlafstörungen.
Also, heute ist der heißeste Tag in diesem Jahr in der Ruhrmetropole. Eine heiße Diskussion im Norden hat begonnen.

Dienstag, 31. März 2020

Tote Hose auf dem Straßenstrich


Kein Verkehr. Corona macht’s möglich. Ich war heute auf Fotosafari in Essen. Mit dem Roller bei herrlichem Frühlingswetter. Ich besuchte Orte, die sonst eigentlich recht gut frequentiert sind. Zurzeit „Lost Places“ oder „total tote Hose“. Das Letztere passt besser zum Thema. Fotografieren ist dort im Alltagsbetrieb absolut unerwünscht und macht mächtig Ärger. Zunächst der spezielle Straßenstrich an der Gladbecker Straße (B 224).
Ein Ort der gewerbsmäßigen Unzucht, an dem sittenwidrige Verträge abgeschlossen werden, wie es früher hieß. Heute sind die Abmachungen legal.

Rein, raus geht nicht mehr. Die Einfahrt sowie die Ausfahrt sind amtlich abgesperrt. Da kriegt der Begriff Sperrbezirk eine neue Bedeutung. Normalerweise biegen die Freier von der B 224 kommend in den Einbahnverkehr ab, drehen auf dem Platz eine Runde. Je nach Bedürfnis dauert der Aufenthalt länger. Verrichtungsbox oder Wohnwagen.
Der Platz an dieser Stelle wurde einst als Kirmesplatz angelegt. Aber er war für die Essener zu weit vom Schuss. Als dann der Straßenstrich von der Pferdebahnstraße planverdrängt wurde, Krupp-Thyssen baute in der Nähe seinen Firmensitz, stellte die Stadtverwaltung den Kirmesplatz anderweitig Interessierten zur Verfügung. Seitdem bieten Frauen dort ihre Dienste im Wohnwagen oder der sog. Verrichtungsbox an.
Heute kam ich dort ungestört zum Schuss. Hier meine Ergebnisse:
















Samstag, 14. März 2020

B wie Bombe, Brand, Bekloppte und Besonnenheit

Dass ich die Gladbecker Straße so wie in diesen Tagen erlebt habe, war das letzte Mal während einer Bombentschärfung, Seit ungefähr einer Woche hat sich etwas verändert. Laut ist es bisweilen immer noch, aber es gibt eine größere Anzahl ruhiger Zeitfenster. Für uns Anwohner ist das eine Wohltat, die man kaum beschreiben kann. Das, was Politiker und Verwaltung seit Jahrzehnten nicht schafften, schafft jetzt die Natur in Form eines Virus.

B(224)erichte

Am Donnerstag wurde am späten Abend die Gladecker Straße gesperrt. Eine defekte Koksheizung forderte elf Verletzte. Neben den üblichen Rettungseinsätzen auf dieser tosenden Stadtautobahn war es diese Woche mal wieder der Straßenstrich, der präsent in der Presse auftauchte. Und während viele Menschen den kurzen Weg zum Supermarkt genossen, nutzen andere, wie so oft, den kurzen Weg durchs Fenster, um in eine Wohnung zu gelangen. Warum? Keine Ahnung.



Die Ruhe

Es ist schon auffällig, dass in dieser Woche der laute Verkehr auf der Gladbecker Straße deutlich abgenommen hat. Die ach so oft genannten "Zwangspendler" sind ja nicht weniger geworden. Viele Anwohner sagen es schon seit Jahren: "Es gibt zu viele Langeweile-Pendler", die ohne Not viel zu viel durch die Gegend fahren und das oftmals unbändig rücksichtslos, viel zu schnell, unsinnig hupend, mit laut schallender Musik und Müll aus dem Fenster werfend.

Sei's drum: Auch dieses Wochenende werden wieder rasende LKW unsere Häuser erschüttern. Nichts für ungut, die Erschütterung, die ein Mensch erleben muss, wenn sein Virus-Test positiv ausfällt, mag jetzt groß sein, aber die vielen anderen krankmachenden Zustände in unserer Stadt sollten nicht in Vergessenheit geraten. Vielleicht ist es heute an der Zeit, genau darüber nachzudenken. Ich wünsche uns allen  
💚Gute Besserung💚.




  

Mittwoch, 26. Februar 2020

Sie hassen uns, oder? Neue Enthüllungen an der B 224


Erboste Anwohner der Gladbecker Straße fühlen sich wie eine „lästige Randerscheinung entlang einer Stadtautobahn.“ Ihr Geduldsfaden ist gerissen und sie bringen kein Verständnis mehr auf für „politische und verwaltungstechnische Verschleppungsmanöver“ und „irrsinnige Ansichten zu Grün im Stadtraum“.

Die Anwohnerinnen Esther Soth und Susanne Demmer sind genervt. „Es darf nicht wahr sein, was die Stadt hier mit uns treibt. Was, verdammt nochmal, muss die Stadt denn noch prüfen, um uns die Teilhabe am Fassadenprogramm von Bund und Land zu ermöglichen? Unsere Häuser bleiben stehen und das weiß die Stadt schon ewig.“
Grund für die Empörung ist eine städtische Vorlage, die im März beraten werden soll. „Diese Vorlage ist schlichtweg bürgerfeindlich. Wieso muss sich eine Stadt überhaupt noch fragen, ob eine schöne Fassade ein zielführender Baustein für die Aufwertung einer Straße sein kann?“

Zweiter Stein des Anstoßes sind Aussagen zu mehr Grün im Straßenraum:„Unfassbar, da wird im ersten Absatz vom erfolgreichen Einhalten von Grenzwerten geredet und dann an anderer Stelle die hohe Luftverschmutzung ins Feld geführt. „Was hat sich der Verfasser dabei gedacht?"

Man ignorierte uns kaputt

Während die Stadt in der Vorlage angibt, die Neuanpflanzung von Straßenbäumen sehr zu begrüßen, zeigt ein Blick auf die Wirklichkeit seit Jahren ein anderes Bild: Hier ein toter Baumstumpf, dort ein paar krank und jämmerlich wirkende Bäumchen.
„Die Gladbecker Straße wurde, insbesondere in dem Bereich zwischen Berthold-Beitz-Boulevard und Bäuminghausstraße, von der Stadt seit Ewigkeiten kaputt ignoriert und nun führt man an, dass unter anderem gelagerter Sperrmüll auf zu klein dimensionierten Baumscheiben Schuld sei? Das ist doch albern und zeigt peinlicherweise auch noch das Versagen der Stadt auf."

Wird hier noch Schlimmeres ans Licht der Welt befördert?

Fast nebensächlich wird in der Vorlage von der „Altersstruktur der Versorgungsleitungen“ geredet, obwohl genau dieses Thema sehr schnell ein äußerst brisantes werden könnte. Politik und Verwaltung sei es nahe gelegt, sich schleunigst mit den Ist-Zuständen dieser Straße zu beschäftigen. Anwohner berichten, auch belegt durch alte Unterlagen, immer wieder vom „Pudding unter der Straße“. Sie berichten von Hohlräumen, verbauten Eisenbahnschienen, Hausanschlüssen auf gegenüberliegenden Straßenseiten und täglich bebenden Decken und Wänden. Wer sich einmal den Asphaltzustand an der Kreuzung Bäuminghausstraße anschaut, kann erahnen, wie hoch hier der Sanierungsbedarf ist.

Kein Grün auf dem Mittelstreifen, damit die Luft nicht schlechter wird? Wurde hier getrickst?

Susanne Demmer hegt Zweifel daran, ob bestimmte Aussagen der Verwaltung wissenschaftlich sauber hergeleitet wurden. Obwohl nämlich  längst kein nennenswertes Feinstaubproblem mehr an der Gladbecker Straße existiert, schreibt die Stadt: "Die Ergebnisse zeigen, dass Begrünungsmaßnahmen in diesem Straßenabschnitt nicht geeignet sind, um die Feinstaubkonzentration durch Filterleistung zu reduzieren." Das städtische Fazit, das übrigens anhand einer 15 Jahre alte Modellsimulation gezogen wird, lautet dann: „Somit ist davon auszugehen, dass eine Begrünungsmaßnahme auf dem Mittelstreifen die sonstigen Bemühungen der Stadt Essen, die Stickoxidbelastung an der Gladbecker Straße zu senken und Diesel-Fahrverbote im Stadtgebiet zu verhindern, konterkarieren würde.“ Werden hier uralte Aussagen über Feinstäube heran gezogen und dann wahllos mit aktuellen Stickstoffdioxidwerten vermischt in einen Sack gepackt? Das wäre skandalös. Darüber hinaus ist es entlarvend, dass die Stadt den kühlenden und optischen Aspekt von Pflanzen und Bäumen hier überhaupt nicht anspricht oder die teilweise Entfernung des überdimensionierten Mittelstreifens in Erwägung zieht, um endlich den dringend benötigten Platz für Fußgänger und Radfahrer auf der westlichen Seite zu schaffen.
Bissig legt Susanne Demmer der Stadt ans Herz, ihren Aussagen bitteschön Taten folgen zu lassen und schleunigst andere „Luftkurorte“ dieser Stadt zu untersuchen, um Pflanzen zu entfernen, die die Luft verschlechtern.

Eine Bürgerin klagt an

„Ich kann diesen Mist nicht mehr hören, dass unsere Häuser zu nah an der Bundesstraße stehen. Unsere Häuser sind wesentlich älter als die Bundesstraße. Unsere Vorgärten wurden enteignet und man kippte uns die Bundesstraße vor die Füße. Danach hat es keinen mehr interessiert, was wir hier durchmachen. Das merkt man auch daran, dass einige örtliche Politiker den Unterschied zwischen Feinstaub, Stickstoffdioxid und CO2 überhaupt nicht kennen und immer wieder dümmlich mit falschen Aussagen hausieren gehen.
Ich bin fast vom Stuhl gekippt, als ich jüngst las, dass sich Bezirksvertreter „entsetzt“ über die zu erwartende 20prozentige Risikosteigerung von Herzinfarkten durch zukünftige Verkehre am neu zu bauenden Autobahnkreuz Essen-Nord zeigten. Die finden das besorgniserregend? Wo waren die die ganze Zeit, als wir Schrei um Schrei los gesendet haben? Hat überhaupt nur einer von denen das diesbezüglich aktuelle Gutachten zu Lärm und Schmutz gelesen? Warum wurde das nie in der Bezirksvertretung öffentlich behandelt? Ich habe die Nase voll, dass sich diese Herrschaften immer wieder hinter einem "Riesenhaufen schön beschriebenem Papier“ weg ducken und nicht dafür sorgen, dass das Recht der Bürger auf Schutz vor Lärm und Giften umgesetzt wird. Mir reicht es mit dieser menschenverachtenden Ignoranz und mir bleibt nur eins: Wahlkampf zu machen. Einen persönlichen Wahlkampf gegen jeden Politiker, der uns derart verachtet."

(Autorin: Susanne Demmer, veröffentlichter Artikel im Stadtspiegel am 24.Februar 2020)

Mittwoch, 5. Februar 2020

Polizeischüsse auf dem Straßenstrich – Fortsetzung


Am 9. Januar berichtete ich davon, dass ein Polizist auf ein Fahrzeug schoss, weil der Fahrer flüchtete, als die Streife ihn auf dem „Straßenstrich“ an der Gladbecker Straße kontrollieren wollte. Jetzt ging der 34-Jährige der Polizei ins Netz. Auch am Samstag vergangener Woche (1.2.2020)  sollte der Fahrer eines VW-Golfs in der Innenstadt kontrolliert werden. Auch dieser Kontrolle entzog er sich, ignorierte Anhaltezeichen und fuhr auf ein Werkgelände. Er sprang aus dem Wagen, konnte aber kurz danach festgenommen werden. Er wehrte sich heftig. In dem Auto fanden die Beamten eine fremde EC-Karte aus einem Raub, Drogenutensilien und eine Schusswaffe. Außerdem waren an dem Golf entstempelte Kennzeichen angebracht, die nicht zu dem Auto gehörten. Der Festgenommene hat auch keinen Führerschein und ist polizeibekannt. Ein Richter schickte den Mann in Untersuchungshaft.

B 224 - Du Leidensfähige


Liebe B 224,
was musst Du alles aushalten? Zunächst die meisten Autos, die auf deinem Asphalt 20 Kilometer durch Essen fahren oder schleichen. Oder die höchsten Schadstoffwerte pustet Du durch die Luft und sorgst für Schnappatmung bei den Anwohnern. Bronchial- und wutgesteuert. Veruracher: Kohlenstoffdioxid oder Feinstaub oder andere Schadstoffe. Und jetzt auch das noch. Tempo 30 !!! Auf der Alfredstraße zwischen Folkwangstraße und Bertholdstraße - zwischen Kultur und Krupp. 30 Stundenkilometer - Schneckentempo. Das treibt vielen Lenkern die Zornesröte ins Gesicht. Mancher argumentiert: „So langsam fährt mein Auto gar nicht.“ Obwohl? Im Stoßverkehr geht es auch nicht rasanter. Stop and go. Aber wenn man oder frau kann, möchte man oder frau auch schneller fahren. Und dann gibt es noch anderen Verkehr an deiner Bundesstraße. Nördlich der A 40. Nämlich auf dem ehemaligen Kirmesplatz in Verrichtungsboxen und Wohnwagen. Anderes Thema.
Und jetzt wird eine neue Baustelle diskutiert. Außerhalb des Stadtgebiets sollst Du zur Autobahn werden. Von Gladbeck durch Bottrop bis Essen-Altenessen. In knapp 10 Jahren soll das für rund 30 Millionen Euro passieren. Anschließend geht es voll Pulle oder auch nur halbvolle Pulle hinein ins nördliche Stadtgebiet. Die Folgen: mehr Lärm, mehr Verkehr, mehr Belastung für deine Anrainer.
Liebe B 224, Deine Leidensfähigkeit wird auf eine harte Probe gestellt. 

 

Donnerstag, 9. Januar 2020

Polizeischüsse auf dem Straßenstrich


Wie NRZ, WAZ und Radio Essen berichten, kam es in der Nacht gegen 01.45 Uhr zu einem Schusswaffengebrauch an der Bundesstraße 224. Ein Polizist schoss am Straßenstrich im Nordviertel auf ein flüchtendes Auto. Verletzt wurde allerdings niemand. Die Informationen zu den Hintergründen sind noch recht dünn. Eine schriftliche Mitteilung der Polizei gibt es nicht (Stand: 18.00 Uhr). Zuständig sind die Ermittler der Polizei Bochum. Aus Neutralitätsgründen wie es heißt.

NRZ-Polizeireporter Jörg Maibaum schreibt: „Nach bisherigen Erkenntnissen sei es in der Nacht zum Donnerstag im Rahmen von Kontrollen zu dem Zwischenfall gekommen. Ein Autofahrer gab plötzlich Gas, wohl um sich einer Überprüfung zu entziehen. Auf das Fluchtauto, das sich mit „hoher Geschwindigkeit entfernt hat“, sei dann geschossen worden. Was für die Beamten der Auslöser war, zur Dienstwaffe zu greifen, ist Gegenstand der Ermittlungen.“ Diese Informationen habe der Redakteur von einem Polizeisprecher der Polizei Bochum erhalten. Und weiter: „Am Donnerstagmittag wurde der Straßenstrich an der Bundesstraße 224 zwecks Spurensicherung abgesperrt. Unter anderem suchte die Polizei das Gelände nach Projektilen ab. Die Staatsanwaltschaft ist eingeschaltet.“


Das Gelände an der Gladbecker Straße wurde vor Jahren als Kirmesplatz angelegt, jedoch nie richtig von der Bevölkerung angenommen. Als die Pferdebahnstraße für Prostituierte zum Sperrbezirk erklärt wurde, zogen die Frauen mit Genehmigung der Stadt zum Kirmesplatz um. Hier bieten sie jetzt in so genannten Verrichtungsboxen und Wohnwagen ihre Dienste an. Die Freier fahren im Einbahnverkehr über den Platz und nehmen so den Kontakt zu den Huren auf. (uk)

Freitag, 3. Januar 2020

M.K. und die (fast) vergessene Rotbuche an der B 224

Bis zum Jahr 2002 schmückte eine prächtige Rotbuche die B 224 in Höhe des Folkwang Museums. Zahlreiche Menschen engagierten sich damals für den Bestand dieses Baumes. Sie hinterließen Botschaften, unter anderem diese:  "Der Kampf um Dich war umsonst. Verzeihe mir, daß ich Dich nicht retten konnte. M.K., 26.04.2002"

Die alte Rotbuche an der B 224

Heute steht eine Baumscheibe von jener Rotbuche im Ruhrmuseum, Das Onlineportal DerWesten schrieb dazu: "Auch sie erinnert an Geschichtliches, wie Ulrich Borsdorf erläutert: An ihren Jahresringen kann man, zum Beispiel, ablesen, dass es ihr 1923 besonders gut ging: weil Franzosen und Belgier das Ruhrgebiet besetzt hielten und die Industrie nur mehr auf Sparflamme lief."

Eine demütige Botschaft

Der oder die Schreiber(in) begann den Text mit den Worten "Mein Freund, ich stehe in Demut vor Dir und nehme Abschied." Fast 18 Jahre ist das nun her. Was macht M.K. heute? Und wie würde es das Straßenbild beeinflussen, wenn die Rotbuche heute noch stehen würde?

Ich sende unbekannte Grüße an M.K. und an alle, die der Natur mit Demut begegnen.