Samstag, 30. November 2019

Ho Ho Ho, Motorshow - Advent, Advent, ein Reifen brennt ...

7.00 Uhr. Quietschende Reifen, ein Knall. Ah, denke ich, Colt Seavers ist da, ich sollte aufstehen. Ich registriere, dass ich mich noch im Halbschlaf befinde und dass es eher unwahrscheinlich ist, dass der berühmte Fernseh-Stuntman der 80er Jahre am 1. Adventswochenende in Essen aufkreuzt.

Schlaftrunken gehe ich zum Fenster und sehe, wie ein David Hasselhoff-Doppelgänger aus seinem Auto steigt. Ein Aufkleber auf der Heckscheibe „Diebstahl lohnt sich nicht, Tank wird täglich geleert“ erinnert mich daran, was hier los ist: Es ist Motorshow und die Chrom-Apostel pilgern in Massen durch die autofreundliche Stadt, inklusive Motorshow-Stau-Corso bei der Anreise.

Brigitte Nielsen bei der Motorshow 2010

11.00 Uhr: Ein giftgrüner Taunus kurvt zum fünften Mal auf die Kreuzung zu. Diesmal schafft er eine nahezu perfekt Wendung mit einem lautstarken Handbremsmanöver. Seine drei Beifahrer applaudieren und grölen und jauchzen vor Entzückung. Ja, zur Motorshow „reist“ man nicht an, man „rast“ an, wenn man kann. Hier ist bereits vor der Show Show angesagt. Man tritt aufs Gaspedal und zeigt dem Flüsterasphalt seine Grenzen. Wofür hat man schließlich die 80 Dezibel-Auspuffanlage? Es wird gehupt, es wird gelacht und gesungen. Um mich herum nur fröhliche Menschen. „Ich will Spaß, ich geb‘ Gas…“.

Die musikalische Beschallung, die dann aus einem Golf durch mein geschlossenes Fenster quillt, lässt erahnen: Diese Tontechnik steht einer Großraumdisco-Anlage in nichts nach. Die „Bad Boys Blue“ schmettern „You're A Woman, I’m a Man…”. Läuft.

Ich öffne das Fenster und rieche diese Testosteron geschwängerte Luft, die gepaart mit Stickstoffdioxid die Weihnachtsbäckereidüfte übertüncht. Ich denke an Henry Ford, der sagte: „Ein vernünftiges Auto soll seinen Besitzer überallhin transportieren, außer auf den Jahrmarkt der Eitelkeiten.“
Die Motorshow in Essen - Wie wird sie wohl in 10 Jahren aussehen?

Montag, 25. November 2019

Traktoren-Bauern-Demo – B 224 betroffen



Hunderte Bauern sind heute mit ihren Traktoren unterwegs. Bis zu 700 sollen es sein. Die Protestroute geht auch über die Bundesstraße 224. Um 12.30 Uhr gibt es einen Zwischenstopp am Berthold-Beitz-Boulevard, dann geht es weiter nach Bochum und Dortmund, meldet der WDR. Die Bauern demonstrieren auf diese Art gegen die Politik der Bundesregierung, die die Gesetze rund um die Landwirtschaft verschärfen wollen, z. B. die Düngeverordnung. Ob die Autofahrer dafür Verständnis haben? Die Bauernverbände haben sich für die Verkehrsstörungen vorsorglich entschuldigt. 
Infos: https://www1.wdr.de/nachrichten/traktor-demo-verkehr-100.html
So könnte es ab mittags auf der B 224 aussehen - Foto: WDR


Dienstag, 12. November 2019

Geronimos Cadillac

An der B 224 im Stadtteil Bredeney steht auf dem Parkstreifen ein Cadillac Sevilla, 4,5 Liter, V 8 Motor. Dem Grünwuchs drum herum zu urteilen, ist der Wagen seit vielen Wochen nicht mehr bewegt worden. Das Herz von Liebhabern amerikanischer Autos mag höher schlagen. Meins nicht. Mir schießt sofort ein Song ins Hirn. Geronimos Cadillac.


1986 sang ein junger Mann mit lockiger Mähne, hoher Stimme und Goldkette mit dem Namenszug „Nora“ einen Hit über diese Automarke. Im Text dreht es sich alles um  Geronimo, der mit seinem Cadillac den Frauen reihenweise den Kopf verdreht. Im Video zupft ein blonder Mann auf den Seiten seiner roten Gitarre und stimmt wie ein Eunuch in den Refrain ein: „Geronimos Cadillac - Lässt alle Mädchen verrückt werden - Geronimo hat ein Herz - Oh, es ist eine Katastrophe - Geronimos Cadillac - Lässt alle Mädchen traurig werden - Geronimo hat ein Herz - Oh, es ist eine Katastrophe.“ Sorry, das Lied ist eine Katastrophe. Gott sei Dank ist mein Traum schnell vorbei, weil ich den Ami-Schlitten aus den Augen verliere. Nur auf der Rückfahrt über die Alfredstraße, kurz vor der Kirche "Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage", schlägt der Ohrwurm wieder in voller musikalischer Härte zu. Und jetzt für Euch: https://www.youtube.com/watch?v=A5C8AC6V2KQ

Samstag, 9. November 2019

Schranki - Tag 59

Alles begann im Septemer 2019. Schranki trat in mein Leben. Zwei Wochen nach seinem Einzug auf der Prachtmeile "Gladbecker Straße" berichtete ich das erste Mal öffentlich über ihn:


"Es war einmal ein Schrank und der stand zwei Wochen lang an einer Bundesstraße vor den Schlosspforten des Königs Allbau. Das arme Volk, das hinter dreckigen Fassaden auf der anderen Seite des Königreichs wohnte, war sehr glücklich über diesen Zustand, denn rund um das putzige Mobiliar präsentierte sich ein kostenloses Spektakulum. Kleine Gewichtheber versuchten in akrobatischer Weise das gute Stück hochzuheben und Zauberkünstler ließen kleine Flaschen mit aufgedruckten Hirschen wie von Geisterhand verschwinden. Für das arme Volk war es das Schönste, was ihnen im Königreich Alt-Assindia jemals geboten wurde. Eines Nachts jedoch wurde der Schrank von bösen Geistern in ein Baumbeet verschleppt und das arme Volk erschauderte. Eine große Furcht machte sich breit.
Das arme Volk wusste, dass der böse Drache "Müllmeldo" überall in der Stadt sein Unwesen trieb und ihnen jede kleine Freude im beschwerlichen Alltag zerstören wollte. Zum Glück war der Drache aber dressiert und mied das Elendsviertel vor den Toren des Königs. Und so lebten sie weiter glücklich hinter bröckelnden Fassaden.
Und die Moral von der Geschicht? Nein, diesen Müll, den meld ich nicht."


Bei Facebook ist Schranki mittlerweile ein kleiner Star geworden und viele Menschen freuen sich über Neuigkeiten des niedlichen Meublements. Hier ein paar Beispiele:


Die Sonne
die Sonne und du
uh uh uh uh
gehörn dazu...

And I said "What about breakfast at Gladbecky's?"

+++Eilmeldung Gladbecker Straße+++
Unter tosendem Applaus der Bürger fahren in diesen Sekunden die Karossen der Minister vor. Reporter aus aller Welt warten gespannt auf die Reden der Regierungsmitglieder. Man munkelt, dass es sogar zu einem Kniefall kommen könnte. Ein guter Tag für Altenessen.

 Wie schlecht können Menschen bloß sein? Ich bin total entsetzt. Pizza nicht aufessen geht gar nicht!

Heute ist der 9. November 2019 und ich schreibe wiederholt: "Jaaa, er steht noch, er steht noch, er steht noch, jaaa, er steht noch, er steht noch, kippt nicht."


Wahrscheinlich werden auch heute wieder Fans um Autogramme bitten:

Wahrscheinlich werden auch heute wieder Touristen ihre Bewunderung aussprechen:

Sam Miller (Texas): "Its great to be in the Ruhrpott, but the most impressive experience was, that we met Schranki in Altenessen. Gorgeous. I love Schranki."

Wie wird es mit Schranki und seinen Freunden Stuhli und Regali weitergehen? Ich bleibe für euch am Ball.
Für diejenigen, die heiß auf Spezialinfos sind: Seit ca. 60 Tagen steht Schranki auf der Gladbecker Straße. Statistisch gesehen haben 2832000 Fahrzeuge Schranki passiert. Wir können also frisch behaupten, dass Schranki längst einem Millionenpublikum bekannt ist. Applaus, Applaus, Applaus ... , auch für eine Stadtverwaltung, die weiß, dass man idyllische Orte nicht antasten sollte.

 

Montag, 4. November 2019

Steht der schönste Weihnachtsbaum an der B 224?


„Oh, Tannebaum, oh, Tannebaum, der Lehrer hat uns blau gehau’n - jezz muss ich inne Ecke steh’n und Overstolz-Zigaretten dreh’n.“ Diese Zeilen aus Kindertagen fallen mir immer ein, wenn ich einen Weihnachtsbaum sehe.
Blickfang an der B 224 - Gladbecker Straße in Höhe Radhoffstraße
So langsam werden sie überall aufgestellt. Wie jetzt auf dem Willy-Brandt-Platz in der Essener Innenstadt. Armin Thiemer hat den Akt fotografiert. Obwohl? So richtig kann ich keinen erkennen. Der wird noch irgendwie zusammengeschraubt. Die Essener Tageszeitungen verweisen auf die missglückte Auswahl der Weihnachtsbäume in den letzten Jahren.  Und die gerupfte Plastiktanne, die jetzt die Gäste nahe dem Hauptbahnhof begrüßt, soll als Mahnmal auf den Klimawandel hinweisen. Na, ja.
Das Weihnachtsbaummahnmal weist auf den Klimawandel hin


Aber das wohl interessanteste Exemplar steht seit dem Wochenende an der B 224 in Altenessen-Süd. Auf der anderen Straßenseite vom „Chinesen“ (Holly Wok). Die Gabe der Einfachheit. Kein Schnickschnack. Einfach nur Baum. Kugel, Lichterkette – fertig.

Susanne Demmer guckt jeden Tag drauf: „Nach der Präsentation der Weihnachtstanne in der Essener Innenstadt, sind wir ziemlich siegessicher, dass wir auch dieses Jahr den Preis für den schönsten Weihnachtsbaum auf die Gladbecker Straße holen werden. Die Vorfreude steigt und wir sind schon ganz aufgeregt, was auf dem Gabenschranki liegen wird.“ Gabenschranki? Die Insider wissen, was sich mit dem auf sich hat. Auflösung folgt.



Anmerkung: Overstolz – Zigarettenmarke aus vergangener Zeit. Dazu die passende Werbung aus den 60er-Jahren. Poliitisch unkorrekt aus heutiger Sicht, aber zeitgemäß: https://www.youtube.com/watch?v=ieuJLnZE8sk

Montag, 28. Oktober 2019

Zirkumwas?

Die meisten Menschen kennen die Gladbecker Straße lediglich als Stadtautobahn. Dass es hier durchaus lebenswert sein kann, können sich die wenigsten Menschen vorstellen. Meine Nachbarn und ich können (und werden) gerne auch in diesem Blog über das "schöne Leben" an der B 224 berichten.

Gestern zum Beispiel zeigte sich ein wahrhaft schönes Phänomen am Himmel über der Gladbecker Straße: Ein Zirkumzenitalbogen. Obwohl er fast ebenso häufig wie der Regenbogen auftritt, ist diese Haloerscheinung kaum jemanden bekannt.



Genauso wenig bekannt ist es, dass zahlreiche Familien seit Generationen auf der Gladbecker Straße wohnen und eine wunderbare Nachbarschaft pflegen. So gab es neben dem bunten Himmelsphänomen am gestrigen Tag auch noch ein nachbarschaftliches Flammkuchenessen, bei dem das Thema "Unsere Gladbecker soll schöner werden" wieder leidenschaftlich diskutiert wurde.


Mittwoch, 23. Oktober 2019

Held des Tages - Hund von Gladbecker Straße gerettet

Wenn ich aus dem Fenster schaue, gibt es eigentlich immer etwas Spannendes zu sehen, doch heute offenbarte sich mir ein tierisch dramatischer Anblick.
Ich öffnete das Fenster und sah, dass erste Autos abbremsten. Ich erblickte einen Hund, der ziemlich aufgeregt auf der Straße umher lief. Was für eine Schrecksekunde.
Im nächsten Augenblick erkannte ich einen lieben Nachbarn, der beherzt nach der langen Leine des Hundes griff und den sichtlich verängstigten Hund von der Straße rettete.

Der Retter heißt Rich, ist Inhaber der Kreativschule Rich und vielen Anwohnern bekannt als engagierter Bürger. Mal pflegt er Baumbeete, mal zeichnet er mit Bürgern im Park und heute rettete Rich einen Hund. Dafür möchte ich Rich mein Dankeschön aussprechen.
Wie sich später heraus stellte, war der kleine Vierbeiner seinem Herrchen im Ellernpark ausgebüxt und man kann von großem Glück reden, dass er nicht "unter die Räder" gekommen ist.

Dienstag, 22. Oktober 2019

Verfolgungsfahrt endete vor einem Mast


Kurz nach Mitternacht wollte eine Polizeistreife einen Ford aus Bergisch Gladbach  auf der B 224 (Griollostraße) in Höhe der Segerothstraße kontrollieren, weil er viel zu schnell fuhr. Der Fahrer gab jedoch Gas und flüchtete. Die Anhaltesignale der Polizei ignorierte der Fahrer und raste über mehrere rote Ampeln.  Die Verfolgungsfahrt ging über die Karolingerstraße, Unsuhrstraße, Altenessener Straße bis zur Hövelstraße. Bei „Rot“ fuhr er über die Ampel, stieß mit einem Streifenwagen zusammen und landete vor einem Ampelmast. „Der Mann wurde vorläufig festgenommen und ins Krankenhaus gebracht. Seine Identität konnte bisher nicht eindeutig geklärt werden. Die Ermittler müssen zudem prüfen, ob er fahrtüchtig war und im Besitz einer gültigen Fahrerlaubnis ist. Die Eigentumsverhältnisse des Fords sind zurzeit ebenfalls unklar“, heißt es weiter in der Polizeimeldung. Die Polizisten blieben unverletzt. Die BILD zitiert eine Polizeisprecherin: „Der Fahrer, der keinen festen Wohnsitz in Deutschland hat, gab den Beamten gegenüber zu, dass er unter BTM-Einfluss stünde und außerdem keinen Führerschein besitzen würde.“




Susi, i weck di mit'n Traktor auf


Was ist im Essener Norden los? Ist dort über Nacht eine landwirtschaftliche Nutzfläche entstanden? Meine Blogger-Kollegin wurde am frühen Morgen - für mich ist es allerdings noch Nachtzeit - aus dem Bett gerissen. In Richtung Süden passierte eine Kolonne Traktoren laut hupend ihr Wohnhaus an der B 224 („Gladbecker“). Susanne nahm es mit Galgenhumor, textet den Song von Wolfgang Fierek („Resi, i hol' di mit mei'm Traktor ab“) um und trällerte in Ruhpottplatt am Fenster: "Susi, i weck di mit'n Traktor auf...". Die Feinstaubmesswerte an dieser Essener Messstelle sind wohl in diesem Moment durch die Decke gegangen.
Auflösung: Die Ackerschlepper waren auf dem Weg nach Bonn. Bis zu 10.000 Bauern mit ihren etwa 800 landwirtschaftlichen Nutzfahrzeugen demonstrieren heute in der ehemaligen Bundeshauptstadt. Bundesweit gibt es weitere „Bauern-Traktor-Demos“. Die Medien melden kilometerlange Konvois mit erheblichen Verkehrsbeeinträchtigungen.

Freitag, 18. Oktober 2019

„Bergrennen“ auf dem „Werdener Berg“ – Zeugen gesucht


Zum Motorsport gehören auch Bergrennen. In den frühen Autojahren waren sie sehr beliebt. Deutschlands Bergkönig hieß damals Hans Stuck und war fast unschlagbar. Bei Bergrennen rasen die Fahrer nacheinander auf einer normalen Straße mit ihren getunten Autos in einem Affenzahn den Berg hinauf. Mit Bestzeit bist du Sieger. Keine Auslaufzonen, kaum Leitplanken an der Strecke. Beim unfreiwilligen Verlassen der Straße geht es manchmal schnell wieder bergab und endet für die Fahrer auch schon mal tödlich. In der breiten Sportöffentlichkeit wird diese Disziplin des Motorsports kaum noch wahrgenommen.
„Bergrennen“ finden heute eher im normalen Verkehrsalltag statt. In beiden Richtungen. Häufig zu sehen auf meiner Hausstrecke der B 224, auf dem Teilstück zwischen den Stadtteilen im Essener Süden, Werden und Bredeney. Amtliche Bezeichnung: Bredeneyer Straße, im Volksmund „Bredeneyer Berg oder Werdener Berg“. Heute wurde mal wieder so ein „Bergrennen“ von einem rüpelhaften Audifahrer veranstaltet. Nur dass er nicht allein unterwegs war und andere mit seiner Fahrweise in Angst und Schrecken versetzte. Es muss so gegen 14.00 Uhr passiert sein. So schildert es die Autofahrerin und Betroffene Kerstin S. im sozialen Netzwerk:
„Ich kann es immer noch nicht richtig glauben - ich bin gerade den Werdener Berg runtergefahren, auf der rechten Spur, ca. 60 bis 65 km/h, also nicht geschlichen oder ähnliches. Schräg hinter mir ein Mini (also auf der linken Spur), auch ungefähr die gleiche Geschwindigkeit. Hinter mir ein „dicker“ Audi, dass er meine Stoßstange nicht geküsst hat, war ein Wunder. Dann versuchte er auf die linke Spur zu wechseln. Ging natürlich auch nicht, da war ja der Mini. Also fuhr er dann alternativ mal auf beiden Spuren hinter uns. Ampel auf der Brücke war ausgefallen, also konnte ich durchfahren bis zur Ampel vor Werden. Ampel rot, der Audi hielt rechts neben mir, Fahrer stieg aus, versuchte meine Beifahrertür aufzureißen. Meine Türen gehen automatisch zwei Minuten nach Abfahrt zu - Gott sei Dank! Daraufhin schlug der Mann mit der Faust an meine Scheibe und schrie, ich solle demnächst gefälligst Platz machen, wenn jemand schneller fahren möchte. (das sind meine Worte, den genauen Wortlaut mag ich hier nicht wiedergeben). Ich bin kein ängstlicher Mensch, aber in der Situation hat sich mein Puls reichlich beschleunigt. Am helligsten Tag mitten auf einer stark befahrenen Straße, ich kann es echt nicht fassen.“
Tatort B 224 - Der "Werdener Berg" im unteren Teil

In ihrer verständlichen Aufregung hat sich die Autofahrerin das Kennzeichen nicht gemerkt. Sie bittet deshalb um Hilfe und fragt, wer den Vorfall beobachtet oder sich sogar das Kennzeichen gemerkt hat. Als Ex-Polizist nehme ich mögliche Beobachtungen gerne als PN entgegen und leite sie an meine Kollegen weiter.
Fazit: Bei diesem „Bergrennen“ war der Fahrer der „dicken Karre“ nicht der Sieger – eine Kommentatorin gab ihm den Titel „Arschloch-Fahrer“.

Freitag, 11. Oktober 2019

Der „Puff anne Gladbecker“, ein Leuchtturm der Superlative?

Ich begrüße und unterstütze jede Hilfe für Sexarbeiter(innen), möchte aber in diesem Blogbeitrag einen anderen Blick auf die Situation an der Gladbecker Straße werfen, einen Anwohnerblick. 

Der Essener Sozialdezernent Peter Renzel schrieb am 9. Oktober bei Facebook: „Vor 10 Jahren haben wir den Straßenstrich neu "organisiert". Der Rat der Stadt ist nach schwierigen, aber wichtigen Diskussionen unseren Vorschlägen gefolgt, so dass wir mit der Verlagerung des Straßenstrichs zum ehemaligen Kirmesplatz gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern für unsere Stadt die langjährige Debatte um die Stadtentwicklung in der Innenstadt und am Rande der Innenstadt, sowie das Ringen um die Sicherung der Beratung, der Unterstützung und den Schutz der Prostituierten vor z.B. gewalttätigen Freiern, zukunftsgewandt beenden konnten. Tatsächlich eine "Erfolgsgeschichte" für einen sehr wichtigen Teil der sozialen Arbeit in unserer Stadt. Unser System der Beratung, Unterstützung, Information und der bedingungslosen Parteilichkeit für Prostituierte am Straßenstrich ist bundesweit ein Leuchtturm Sozialer Arbeit.“

Schön und gut, denke ich mir beim Lesen der Zeilen, bin jedoch zeitgleich traurig, dass die Probleme der Anwohner dieser Straße nie durch ein "städtisches System der Unterstützung und einer bedingungslosen Parteilichkeit" angegangen wurden.


Die Liste der Probleme ist lang. Ein Beispiel für das Versagen der Stadt ist in einem aktuellen Artikel der WAZ/NRZ zu lesen, wo ein Anwohner die schäbige „Vertreibungspolitik durch Häuserabriss-Bedrohungen“ scharf kritisiert. Ich kann den Aussagen des Anwohners vollumfänglich zustimmen und sage „Wer mit einem Knüppel funktionierende Nachbarschaften voller redlicher Menschen zerschlagen will, hat nicht kapiert, was die Gladbecker Straße und Altenessen braucht.“

„Wer schaut hier eigentlich wo hin?“ fragte ich mich, als jüngst ein Nachbar aus seiner Wohnung gekündigt wurde und keinen Hafen der „sozialen Stadtteilarbeit“ fand. Er wäre gerne im Quartier geblieben, wo er stets seine Augen und Ohren offen hielt und so für ein wenig Sicherheit und Ordnung sorgte. Nun ist er weg aus Altenessen.

„Wer schaute hier viel zu lange weg?“, fragte ich mich, als heute Morgen ein SEK-Einsatz auf der Gladbecker Straße stattfand.

„Wer schaut hier eigentlich wo hin?“, fragte ich mich, als ich heute Morgen wieder den Schrank im Baumbeet sah, der dort seit Wochen vor sich hin gammelt.

Der Gladbecker Straße fehlt es an städtischen Kapitänen, die die Anwohner mit ins Boot holen. Der Gladbecker Straße fehlt es an einem Hafen, in dem die Probleme der Anwohner ankommen können. Ein Stadtteilbüro, in dem Sozialarbeiter, Polizei, Jugendamt, Ordnungsamt, etc. sich integriert und vernetzt dem Bürger widmen, das wäre ein wahrer Leuchtturm für das Gebiet rund um die Gladbecker Straße.

Tatort "Gladbecker"


Immer etwas los – an der B 224, besonders an der „Gladbecker“ im Essener Norden. Die Essener Polizei berichtet heute über einen Fall des „Sozialbetrugs“.
Hier die Originalmeldung aus dem Essener Polizeipräsidium(Anmerkung: BAO ist die Abkürzung für „Besondere Aufbauorganisation“ – sie besteht aus verschiedenen Aufgabenzuweisungen.


„BAO Aktionsplan Clan vollstreckt Durchsuchungsbeschluss wegen gewerbsmäßigen Betruges
Essen-Altenessen: Beamte der BAO Aktionsplan Clan haben heute Morgen (11.10.2019) gegen 06:00 Uhr einen Durchsuchungsbeschluss des Amtsgerichtes Essen wegen gewerbsmäßigen Betruges auf der Gladbecker Straße vollstreckt. Einer dort wohnhaften 33-jährigen Deutsch-Libanesin wird vorgeworfen, über mehrere Jahre hinweg unrechtmäßig Sozialleistungen bezogen zu haben. Das Ermittlungsverfahren gegen die Frau begann vor einigen Monaten, als sie bei einem Polizeieinsatz wegen einer Verkehrsbehinderung die eingesetzten Beamten beleidigte. Im Rahmen der Ermittlungen begründete sich der Verdacht des Sozialleistungsbetrugs, da die Beschuldigte bei dem Polizeieinsatz Luxusgüter trug, die man sich üblicherweise als Sozialleistungsbezieher nicht leisten kann. Der Verdacht eines gewerbsmäßigen Betruges mündete heute in der Durchsetzung des Durchsuchungsbeschlusses. Neben der Wohnung der Beschuldigten suchten die Beamten noch eine Tiefgarage in der Essener Innenstadt auf, wo sie einen Mercedes-Benz CL 500 im Rahmen der Vermögensabschöpfung einzogen, der der Frau zugeordnet werden konnte. Das Betreten der Wohnung wurde durch Spezialeinsatzkräfte durchgeführt, weil Hinweise vorlagen, dass sich dort gewalttätige und bewaffnete Personen aufhalten könnten. Neben dem PKW wurden zahlreiche hochwertige Schmuckstücke, Luxus-Handtaschen sowie zwei Macheten, eine Schutzweste und ein verbotener Schlagring sichergestellt. Die Beschuldigte wurde zur erkennungsdienstlichen Behandlung dem Polizeipräsidium zugeführt und im Anschluss wieder entlassen. (Polizei Essen: 11.10.2019)“